Blutwerte

Blutwerte sind Momentaufnahmen unseres Körpers. Sie geben Auskunft darüber, welche Stoffe gerade in welchen Mengen im Körper unterwegs sind.
Sie sind ständiger Veränderung ausgesetzt und diversen Einflüssen und Faktoren unterworfen. Deswegen dürfen Laborergebnisse nur im Zusammenhang bewertet werden.
Einfluss auf Laborwerte haben verschiedene Faktoren:

Geschlecht
Alter
Ernährung
Psychische Belastungen
Tagesrhythmus
Medikamente
Körperhaltung
Die angegebenen Normwerte sind nur Richtwerte.
Alle Werte müssen für jeden Patienten persönlich ermittelt und festgelegt werden!! Glucose (Zucker)

Mehrmalige eindeutig erhöhte Glucosespiegel im Blut (Hyperglykämie) sind das wichtigste laborchemische Zeichen zum "Aufspüren" der Zuckerkrankheit - Diabetes mellitus- genannt. Regelmäßige Blutzucker-Bestimmungen durch den Patienten mit Hilfe von Teststäbchen dienen der Therapiekontrolle dieser Stoffwechselerkrankung. Ein weiteres charakteristisches Zeichen ist die Ausscheidung von Glucose im Urin.

Nüchternglucose bei
Gesunden:
Nüchternglucose bei
Diabetes:
Eine Stunde nach dem
Essen bei Diabetes:
Kapillarblut ; 55-100 mg/dl Kapillarblut ; 120 mg/dl Kapillarblut ; 200 mg/dl
Venenblut; ; 55-100 mg/dl Venenblut; ; 120 mg/dl Venenblut; ; 180 mg/dl

Wichtig:

  • Der Nüchternblutzucker ist in der Regel für die Feststellung eines Diabetes relativ wenig aussagekräftig.
  • Auffällig ist hingegen, dass der Blutzucker bei Diabetikern nach den Mahlzeiten viel deutlicher ansteigt als bei Gesunden; die Ausgangswerte werden entweder mit erheblicher zeitlicher Verzögerung oder gar nicht mehr erreicht.
  • Liegt der Nüchternblutzucker unter 120 mg/dl und der Wert nach dem Frühstück über 140 mg/dl, so sollte beim Arzt ein "Zuckerbelastungstest" (oraler Glucosetoleranztest)
    zur Klärung durchgeführt werden.
  • Die Blutzuckerwerte sind im Kapillarblut aus der Fingerbeere höher als im Venenblut.

Wann sollten die Blutzuckerwerte kontrolliert werden ?

Der Diabetes mellitus wird nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vereinfacht in drei Untergruppen eingeteilt:

1) Diabetes mellitus

A) Typ 1: Insulinabhängig

10 Prozent der Diabetiker; Ursache ist ein absoluter Mangel an Insulin, hervorgerufen entweder durch eine Störung im Abwehrsystem des Körpers und/oder durch Viren.

B) Typ 2: Insulinunabhängig

- ohne Übergewicht (8 Prozent der Diabetiker)
- mit Übergewicht (80 Prozent der Diabetiker)
Ursache ist eine Störung der Insulinwirkung an den Zellen; diese "Insulin-Unempfindlichkeit" der Zellen wird durch Übergewicht gefördert.

C) Diabetes mellitus bei oder durch andere Erkrankungen:

- der Bauchspeicheldrüse (erst wenn 90% des Organs zerstört ist)
- hormonell bedingte Erkrankungen
- durch Medikamente (Kortison, "Pille", Diuretika, Schilddrüsenhormon-Präparate,
Medikamente mit Wirkung auf das Zentralnervensystem)
- erbliche Veranlagung (bei genetischer Veranlagung führt Übergewicht zur "Insulin-Überempfindlichkeit")

2) auffälliger "Blutzuckerbelastungstest"

bei normalem oder grenzwertigem Nüchternblutzucker

3) Schwangerschaftsdiabetes

Umstellung von oralen Medikamenten auf Insulin, strenge (!) Blutzuckereinstellung bereits bei Kinderwunsch.
Eine dauerhaft gute Stoffwechseleinstellung mit möglichst normalen Blutzuckerwerten ist das Ziel der Diabetes Therapie und nach heutigem Wissensstand eine wichtige Voraussetzung dafür, das Risiko für diabetesspezifische Komplikationen zu vermindern (u.a. Arterienverkalkung, Nierenversagen, Augenveränderungen, Nervenstörungen).

Gut eingestellt mit Diät, oralen Medikamenten (Antidiabetika) oder Insulin, ist ein Diabetiker, wenn er nach dem Stich in die Fingerbeere mit dem Teststäbchen folgende Werte misst.

Nüchtern nach dem Essen
Diät und/oder orale Antidiabetika unter 120 mg/dl unter 160 mg/dl
Insulin (Erwachsene) unter 140 mg/dl unter 180 mg/dl
Insulin (Kinder) unter 160 mg/dl unter 200 mg/dl
Verminderte Blutglucosespiegel (Hypoglykämie) findet man bei:
- Neugeborenen
- Überschießender Diabetes-Therapie
- Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen
- Hormonell bedingte Erkrankungen
- Tumoren (Leberkarzinom)
- Alkoholkonsum auf nüchternen Magen
- Arzneimittel: Antikoagulantien ("Blutverdünnungsmittel"), Antiphlogistika ("Entzündungshemmer"), Salicylate (Acetylsalicylsäure) HbA1c (glykiertes Hämoglobulin)

Ob es dem Diabetiker über einen Zeitraum gelungen ist, seine Stoffwechselstörung diätetisch und/oder mit Medikamenten zu beherrschen, kann der Arzt durch Bestimmung einer bestimmten Form des Blutfarbstoffs Hämoglobin - das glykierte Hämoglobulin - im Venenblut feststellen.

Normbereich:

HbA1c beim Gesunden: 5 bis 8 Prozent
HbA1c beim Diabetiker: unter 10 Prozent

Wichtig:
Ist das HbA1c um ein Prozent erhöht, lag der Blutzuckerwert in den vorangehenden Monaten durchschnittlich 30 mg/dl (1,665 Millimol/l) über dem Normbereich.

  • HbA1c-Werte, die mehr als drei Prozent über dem Normbereich liegen, entsprechen einem mittlerem Blutzuckerspiegel von über 200 mg/dl.
  • Es bestehen keine Unterschiede der HbA1c-Werte im Hinblick auf Diabetes-Typ oder Behandlungsstrategie.
  • Beim Diabetiker sollten therapeutisch auf jeden Fall HbA1c-Werte des Gesunden ("Normalisierung") angestrebt werden.
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

Die Bestimmung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Blut erfolgt bei Verdacht auf:
- "Blutarmut" (Anämie)
- Krankheiten des Blutbildungssystems
- Allgemeinerkrankungen

Normbereich:

Männer 4,5 - 6,3 Millionen/mm³
Frauen 4,2 - 5,5 Millionen/mm³

Wichtig:

  • Eine Verminderung der Enthrozytenzahl wird als Anämie, eine Vermehrung als Polyglobulie bezeichnet.
  • Die in unseren Breiten häufigste Ursache für eine Verminderung (Anämie) ist die Eisenmangelanämie, die überwiegend als Folge chronischer Blutungen (Magen-Darm-Trakt, gynäkologische Blutungen) oder eines nicht gedeckten Eisen-Mehrbedarfs auftritt (Schwangerschaft, Kindheit).
  • Die Bestimmung der roten Blutkörperchen ist nur bei normalem Plasmavolumen aussagekräftig. Zum Beispiel: Bei zu geringen Trinkmengen (Senioren), zu starkem Schwitzen oder Durchfall kommt es zu einem Wassermangel, so dass die normale Erythrozytenzahl fälschlicherweise als erhöht angesehen werden kann.

Hämatokrit

Der Hämatokrit (HKT) gibt an, welchen prozentualen Anteil die roten Blutkörperchen in einem Liter Blut einnehmen. Die Hämatokritbestimmung wird im wesentlichen eingesetzt zur Verlaufsbeurteilung der Blutzusammensetzung in Notfallsituationen in der Transfusionsmedizin und bei der therapeutischen Blutverdünnung (Hämodilution); außerdem zur Diagnose von Anämien, Polyglobulien sowie Flüssigkeitsverschiebungen.

Normbereich:

Männer 40 - 54 Vol% (0,40 - 0,54 I/l)
Frauen 37 - 47 Vol% (0,37 - 0,47 I/l)

Blutfarbstoff Hämoglobin

Mit Hämoglobin werden alle Varianten des roten Blutfarbstoffes bezeichnet. Der rote Blutfarbstoff bindet den Sauerstoff aus der Luft und gibt ihn über den Blutweg - an alle Organe ab. Die Hämoglobin-Konzentration (Hb) ist neben der Erythrozytenzahl und dem Hämatokritwert das dritte Kriterium zur Diagnose und Klassifikation von Anämien (zu wenig rote Blutkörperchen) und Polyglobuline (zu viel rote Blutkörperchen).

Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann eine Anämie dann angenommen werden, wenn die Hb-Konzentration folgende Grenzwerte unterschreitet:

Männer 13 - 18 g/dl
Frauen 11 - 16 g/dl
Schwangere 11 g/dl
Kinder 6 Monate bis 6 Jahre 11 g/dl
Kinder 6 bis 14 Jahre 12 g/dl

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind unterschiedliche Zelltypen zusammengefasst (siehe unter: Differentialblutbild), die ihre Aufgaben als "Abwehrtruppe" des Organismus in den verschiedenen Körpergeweben erfüllen: Sie schützen den Menschen vor schädigenden Einflüssen und entfernen eingedrungene Fremdkörper wie Bakterien, Viren oder Pilze. Von ihrem Bildungsort im Knochenmark erreichen die Leukozyten auf dem Blutweg die verschiedenen Gewebe. Dort gehen sie nach nur kurzer Zeit zugrunde. Daher finden sich nur
50 Prozent aller im Organismus vorhandenen weißen Blutkörperchen im Gefäßsystem.

Normbereich: 4300 - 10000 / mm³

Erhöhung der Leukozyten findet man bei:
- Infektionen, Entzündungen (bis 30000/mm³ und mehr)
- Knochenmarkerkrankungen (Leukämie)
- bösartige Tumoren
- Bewusstlosigkeit (Koma)
- Verbrennungen
- Schockzustände
- Myokardinfarkt
- Akutem Blutverlust
- Stress

Verminderung der Leukozyten findet man bei:
- Grippe, Masern, Röteln, Typhus, Sepsis
- Strahlen- und Krebstherapie
- Arzneimitteln

Wichtig:

  • Die häufigste Ursache für eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozytose)
    sind Infektionen.
  • Leukozytenzahlen von 4000 bis 2500 pro mm³ werden als grenzwertig krankhaft,
    unter 2500 pro mm3 als sicher krankhaft eingestuft.. Meist sind Medikamente oder Erkrankungen des Knochenmarks die Ursache.
Differentialblutbild

Um einer Krankheit auf die Spur zu kommen, kann es für den Arzt hilfreich sein, zu wissen, in welchem Maß die eine oder andere Gruppe der weißen Blutkörperchen vertreten ist oder sogar die Oberhand gewonnen hat. Für ein solches Differentialblutbild werden 100 Leukozyten im gefärbten Blutausstrich nach ihrem Typ unterschieden:

Neutrophile Leukozyten Jugendliche unter 2 Prozent
Stabkernige 2 bis 4 Prozent
Segmentkernige 55 bis 65 Prozent
Eosinophile Leukozyten bis 5 Prozent
Basophile Leukozyten bis 1 Prozent
Lymphozyten 20 bis 30 Prozent
Monozyten 2 bis 6 Prozent

Was bedeutet die Erhöhung der Anzahl einzelner Leukozytengruppen ?

Neutrophile:
- bestätigt Entzündungsvorgang
- bestimmte Stresssituationen (innere Blutungen, operative Eingriffe)
- Schwangere bei körperlicher Arbeit
- Nach Konsum von 4 bis 5 Zigaretten pro Tag
- Physikalische Stimuli (Strahlen)
- Stoffwechsel-Erkrankungen
- Vergiftungen
- Leukämie (chronisch-myeloische)

Eosiophile:
- Allergie
- Hauterkrankungen
- Parasitenbefall
- Infektionserkrankungen (Scharlach)
- Leukämie

Basophile:
- Eisprung

Blutplättchen (Thrombozyten)

Die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) wird bestimmt bei unklaren Blutungen und Erkrankungen des Knochenmarks. Sind die Blutplättchen funktionstüchtig besteht die Gefahr einer Blutung in der Regel erst bei Thrombozytenzahlen unter 30.000/mm3.

Normbereich: 140.000 - 440.000/mm³

Verminderung der Blutplättchen:

  • angeboren
  • Schädigung der Blutplättchen im Blut durch:
    • Abwehrstoffe (Autoantikörper)
    • Medikamente
    • Nach Infektionen
    • Hormonal zyklisch
  • verminderte Blutplättchenbildung im Knochenmark durch:
    • Karzinome; Leukämie
    • Nahrungsmittelallergie
    • Medikamente: Sulfonamide (Antibiotika), Chindin (Herzrhythmusstörungen), Schmerzmittel (Analgetika)
    • Infektionen
    • Strahlenschädigung
    • Vermehrte Zerstörung von Blutplättchen in der Milz
    • Funktionsstörungen der Blutplättchen

Vermehrung der Thrombozyten:

  • bei Erkrankungen des Knochenmarks
  • nach großen Operationen
  • bei entzündlichen Erkrankungen
  • bei Tuberkulose
  • bei Krebserkrankungen
  • bei schweren Allgemeinerkrankungen
  • bei Leukämie
Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG)

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit, genauer die Blutkörperchen-Senkungs-Geschwindigkeit (BSG), gibt an, in welchem Maße sich die roten Blutkörperchen in einem Gefäß zusammenlagern und auf den Boden sinken. Beim Gesunden ist dieses Phänomen nur gering ausgeprägt, da sich benachbarte Erythrozyten (aufgrund negativer Ladung) normalerweise abstoßen und somit im Blutplasma in der Schwebe halten. Bei manchen Erkrankungen aber haften sich Eiweißmoleküle an die Oberfläche der roten Blutkörperchen und sinken mit ihnen zu Boden.

Normbereich für die erste Stunde:

Männer: unter 15mm/Stunde (unter 50 Jahre)
unter 20mm/Stunde (über 50 Jahre)
Frauen: unter 20mm/Stunde (unter 50 Jahre)
unter 30 mm/Stunde (über 50 Jahre)

Beschleunigung der BSG:

  • Akute und chronische Entzündungen
  • Vor der Periodenblutung, in der Schwangerschaft
  • Eiweißmangel
  • Anämie
  • Kontrazeptiva (Pille)

Wichtig bei erhöhter BSG:

  • Frühestens 24 Stunden nach Beginn einer Entzündungsreaktion kommt es zu einem Anstieg der BSG.
  • Der Abfall erfolgt nach 96 bis 144 Stunden.
  • Eine normale BSG schließt nichtentzündliche Organerkrankungen nicht aus!
  • Eine erhöhte BSG kann nur ein Hinweis für eine vorhandene Erkrankung sein. Sie ist nie allein beweisend.
Blutgerinnung

Bei blutenden Verletzungen versucht der Organismus, die Wunde so schnell wie möglich "abzudichten". Dafür werden die Blutplättchen (Thrombozyten) und zahlreiche Gerinnungsfaktoren des Blutes und des Gewebes aktiviert. Sie alle "arbeiten" nach einem fein abgestimmten und komplizierten System, das - einmal in Gang gesetzt - nacheinander
wie eine Kaskade abläuft. Störungen der Blutgerinnung können daher sowohl auf Funktionseinbußen der Blutplättchen oder Mengenveränderungen der einzelnen Gerinnungsfaktoren beruhen. Dies kann der Arzt mit verschiedenen Tests herausfinden. Hier sind nur einige beschrieben:

Blutgerinnungszeit

  • Zeit zwischen einem Stich in die Fingerbeere und der Blutpfropfenbildung in einem Gefäß
  • Grober Suchtest für die Spontangerinnung
  • Normal: bis 180 bis 660 Sekunden

Blutungszeit

  • Zeit zwischen einem Stich in die Fingerbeere und dem Stillstand der Blutung am Finger
  • Grober Suchtest für eine Störung der Blutplättchen oder der Gerinnungsfaktoren
  • Normal: 120 bis 300 Sekunden
"Quick-Wert" = Thromboplastinzeit

Der "Quick-Wert" dient als Suchtest bei Verdacht auf Störungen bestimmter Gerinnungsfaktoren sowie der Einstellung und Therapieüberwachung mit "Blutverflüssigungs-Medikamenten" (Cumarin-Derivate, z. B. Marcumar)

  • Normal: 70 bis 130 Prozent
  • 15 bis 25 Prozent bei Therapie mit Cumarin-Derivaten
  • Ziel der Therapie mit Cumarin-Derivaten ist es, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes (gemessen als Quick-Wert) auf ein Fünftel des Normbereichs zu senken. Um diesen Effekt zu erreichen, können sehr unterschiedliche (!) Arzneimitteldosierungen benötigt werden. Dies ist auch von der Lebensweise des Patienten abhängig:
    • Hoher Alkoholkonsum
    • Mäßiger Verzehr von Vitamin-K-reichen speisen (Spinat, Kohl)
    • Gleichzeitige Einnahme von anderen Medikamenten (den Arzt befragen!)
Gesamteiweiß (Gesamtproteine)

Im Blutplasma "tummeln" sich über hundert verschiedene Eiweißstoffe (Proteine). Diese Proteinindividuen dienen zum Transport von Metallen, Hormonen, Fetten, Vitaminen und Arzneimitteln. Neben ihrer "Taxifunktion" übernehmen sie auch selbst Aufgaben als Enzyme, Enzymblocker, Gerinnungsfaktoren, Abwehrstoffe (Antikörper), Hormone und Nährstoffe. Abweichungen des Gesamt-Eiweißwertes vom Normbereich weisen auf eine Veränderung einzelner der Eiweißtypen oder sind ein Zeichen für Störungen im Wasserhaushalt. Für die weitere Abklärung wird der Arzt daher die Bestimmung der wichtigsten Einzelfraktionen (siehe: Serumeiweiß-Elektrophorese) in die Wege leiten.

Normbereich: 62 - 84 Gramm/Liter

Verminderung der Gesamteiweiß-Konzentration:

  • Eiweiß-Verluste
    • Magen-Darm-Entzündungen
    • Krebserkrankungen im Magen-Darm-Trakt
    • Nierenfilter-Entzündung
    • Eiweißverlustniere
    • Verbrennungen
  • Mangelnde Eiweiß-Bildung
    • angeboren (Antikörpermangelsyndrom)
    • Malaria
    • Leukämie, Morbus Hodgkin
    • Chronische Lebererkrankungen
    • Toxische Leberentzündung

Erhöhung der Gesamteiweiß-Konzentration:

  • Wasserverlust
    • Durchfall
    • Infektionskrankheiten
  • überschießende Produktion
    • chronisch entzündliche Erkrankungen
    • Knochenmarkerkrankungen
Serumeiweiß-Elektrophorese

Die Serumeiweiß-Elektrophorese ist die klassische Auftrennung der verschiedenen Eiweiß-Familien im Serum. Die Ergebnisse erlauben keine direkte Diagnose. Dennoch geben gewisse Konstellationen Hinweise auf bestimmte Erkrankungen oder Krankheitsgruppen.

Normbereiche:

Albumin 35,2 - 50,4 g/l
Alpha-1-Globuline 1,3 - 3,9 g/l
Alpha-2-Globuline 5,4 - 9,3 g/l
Beta-Globuline 5,9 - 11,4 g/l
Gamma-Globuline 5,8 - 15,2 g/l

Immunglobuline

Immunglobuline (Ig) sind verschiedene Eiweißstoffe, die von den weißen Blutkörperchen nach Kontakt des Organismus mit Viren, Bakterien, Pilze, Pollen usw. gebildet werden und als "Abfangstoffe" (Antikörper) in Blut, in den Gewebsflüssigkeiten und in Körpersekreten vorhanden sind. Klinisch bedeutsam sind sowohl (angeborene oder erworbene) Verminderung als auch Erhöhung der einzelnen Immungloblin-Klassen IgG, IgA, IgM und IgE.

IgG-Erhöhung: chronische Entzündungen von Leber, Nieren, Gelenken
IgA-Erhöhung: Leberzirrhose, Tuberkulose, Pilzinfektionen Autoimmunerkrankungen
IgM-Erhöhung: Frühstadium akuter Virusinfektion
IgE-Erhöhung: Allergien, Parasitenbefall
Ig-Verminderung: Krebserkrankungen, Leukämie, Virusinfektionen (Masern, Röteln), Nieren-, Magen-, Darm-Erkrankungen, Verbrennungen, Mangelernährung, Arzneimittel (Zytostatika, Kortison), Strahlen

ASAT = GOT

Die ASAT (Aspartat-Aminotransferase) ist ein Enzym mit besonders hoher Aktivität in Leber, Herzmuskel, Skelettmuskel und Gehirn. Sie ist für die Diagnose beziehungsweise Früherkennung von Lebererkrankungen von großer Bedeutung. Bei akuter Leberentzündung (Hepatitis) steigt die ASAT bereits vor Auftreten der Gelbsucht kräftig an. Der Gipfel wird in der 1. bis 2. Krankheitswoche erreicht; bei komplikationslosem Verlauf sinkt die Enzymaktivität nach vier bis acht Wochen in den Normbereich.

Beim Herzinfarkt kommt es regelmäßig in den ersten 48 Stunden zu einem 5-10fachem Anstieg der ASAT. Nach drei Tagen hat sich der Wert wieder normalisiert. Es besteht sogar eine gewisse Beziehung zwischen der Ausdehnung des minderdurchbluteten Herzgewebes und dem ASAT-Anstieg. Beim Herzinfarkt wird die ASAT gerne in Kombination mit einem weiteren Enzym, der Creatinnase bestimmt; beide Enzyme müssen erhöht sein. U = Unit und ist eine Maßeinheit für die Aktivität von Enzymen.

Normbereiche:

Männer 6 bis 19 U/l
Frauen 6 bis 15 U/l
Erhöhung der ASAT bei:
  • Erkrankung von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse
  • Herzinfarkt
  • Muskelerkrankungen
  • Schock, Lungenembolie
  • nach großen operativen Eingriffen (wegen Muskelzerstörung)
  • Arzneimittel:
    • Schmerzmittel (Paracetamol)
    • Fiebersenkende Mittel (Antipyretika)
    • Rheumamedikamente
    • Schlaf-, Beruhigungsmittel, Antidepressiva
    • Epilepsie-Medikamente (Chlorpromazin)
    • Antibiotika, Pilzmittel,
    • Krebsmedikamente (Chemotherapeutika)
ALAT = GPT

Die Alanin-Amonotransferase (ALAT) ist ein Enzym, das ausschließlich in der Zellflüssigkeit der Leberzellen gelöst ist. Misst man erhöhte ALAT-Werte im Blut, weist dies auf eine "Dichtestörung" der Zellhülle hin. Die Höhe der ALAT-Konzentration steht im Zusammenhang mit der Anzahl der betroffenen Leberzellen. Bei akuter Leberentzündung steigt die ALAT stark an (häufig zwischen 500 und 1000 U/l), typischerweise sogar höher als die ASAT. Bei unkompliziertem Verlauf sinkt der Wert von der 2. Woche an kontinuierlich ab und erreicht in der 6. bis 8. Woche seinen Ausgangswert.

Normbereich:

Männer 4 bis 23 U/l
Frauen 4 bis 19 U/l

GGT

Die Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT) ist ein Enzym, das sich auf der Zelloberfläche einiger Organe "eingenistet" hat: in der Bauchspeicheldrüse, in der Leber, aber auch in den Nieren. Unter bestimmten Bedingungen wird die GGT von der Zelloberfläche in das Blutplasma abgespült.

Normbereich:

Männer 6 - 28 U/l
Frauen 4 - 18 U/l

Erhöhung der GGT bei:

  • Erkrankungen der Leber und Gallenwege

Die Erhöhung der GGT ist eines der empfindlichsten Zeichen für eine Leber-Gallenerkrankung!
Dies gilt vor allem für Erkrankungen, die zu einem Rückstau von Gallensäuren in das Lebergewebe führen (Entzündungen, Steine, Tumoren).

  • Herzerkrankungen

Nach Herzinfarkt steigt die GGT langsam an und erreicht ihren Gipfel am Ende der ersten Woche. Erhöhte GGT-Werte kommen auch bei mehr als 50 Prozent der Patienten mit Koronarer Herzkrankheit vor.

  • Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen
  • Verbrennungen
  • Diabetes mellitus
  • Hypertonie (insbesondere wenn sie mit einer Fettstoffwechselstörung verbunden ist)
  • Gefäß- und Tumorerkrankungen im Gehirn
  • Arzneimittel/Gifte
  • Alkohol

In zahlreichen Untersuchungen wurde belegt, dass die Erhöhung der GGT mit der täglich aufgenommenen Menge Alkohol korreliert. Bei einer Alkohol-Entziehungskur sinkt die GGT bei den meisten Patienten innerhalb von zwei Wochen um die Hälfte ab und erreicht nach fünf Wochen nahezu normale Werte.

Bilirubin

Bilirubin ist ein "Abfallprodukt", das beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin (siehe: rote Blutkörperchen) in der Leber entsteht und über die Galle ausgeschieden wird.

Normbereich:

Männer 0,2 - 1,1 mg/dl (3,0 - 19 µmol/l)
Frauen 0,1 - 1,0 mg/dl (2,0 - 17 µmol/l)

Ein "Zuviel" an Bilirubin erscheint als "Gelbsucht", wenn der Blutspiegel bei Erwachsenen 2,5 mg/dl (>43 µmol/l), bei Neugeborenen und Kleinkindern 4 mg/dl (68 µmol/l) übersteigt.

Ursachen für erhöhte Bilirubinwerte:

  • Eingeschränkte Ausscheidung von Bilirubin bei:
    • akuter Leberentzündung
    • chronischer Leberentzündung (mäßig)
    • Alkohol-Fettleber (mäßig)
    • Leberzirrhose (mäßig)
    • Entzündung, Steine der Gallenblase oder des Gallengangs
    • Gallenblasenkarzinom (massiv)
    • Bauchspeicheldrüsenkrebs (massiv)
    • Tumoren im Darmbereich, Metastasen
  • überschießende Produktion von Bilirubin:
    • Anämie
    • Malaria
  • seltene genetische Defekte des Bilirubin-Stoffwechsels
  • Arzneimittel (!)
Creatinkinase = CK

Die Creatinkinase ist die Summe von drei Enzymen, die im Skelettmuskel (CK-MM), im Herzmuskel (CK-MB) und im Gehirn (CK-BB) vorkommen. Die beim Gesunden gemessenen CK-Spiegel stammen überwiegend aus dem Muskelgewebe.

Normbereich CK (Gesamt):

Männer 10 bis 80 U/l
Frauen 10 bis 70 U/l

Normbereich CK-MB (Herz): unter 10 U/l

Erhöhung der Gesamt-Creatinkinase bei:

  • Herzerkrankungen (Infarkt, Herzmuskelentzündung)

Herzinfarktpatienten zeigen 4 bis 8 Stunden nach dem Ereignis einen charakteristischen Anstieg der Gesamt-CK. Bei unkompliziertem Verlauf sinkt die CK zwischen dem 3.und 6.Tag wieder in den Normbereich.

  • nach intramuskulärer Injektion
  • nach operativen Eingriffen
  • kardiogenem Schock
  • großflächigen Verletzungen
  • Muskelerkrankungen
Alkalische Phosphatase(AP)

Die alkalische Phosphatase (AP) ist eine Gruppe von Enzymen, die in nahezu allen Geweben vorhanden ist.

Normbereich:

Männer 70 - 175 U/l
Frauen 55 - 147 U/l bis zum 50. Lebensjahr bei Normgewicht
60 - 170 U/l über 50 Jahre bei Übergewicht

Erhöhung der Alkalischen Phosphatase:

  • Erkrankungen, die mit einer Abflussstörung der Gallensäuren einhergehen, führen stets
    zu einer erheblichen Steigerung der AP-Werte.
  • Alle Umbau- & Abbauprozesse im knöchernen Skelett bewirken eine deutliche, manchmal extreme Steigerung der AP-Aktivität (Frakturen, Osteoporose, Skelettmetastasen, Vitamin-D-Mangel)
  • Leberentzündung
  • chronischer Alkoholkonsum
  • Arzneimittel/Gifte
  • normal:
    • Kinder während des Knochenwachstums
    • in der Schwangerschaft
Cholesterin

Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil für die körpereigene Produktion von Hormonen und Gallensäuren sowie für den Aufbau der Zellhüllen. Etwa dreiviertel des im Organismus vorhandenen Cholesterins entsteht durch Neubildung, ein Viertel durch Nahrungsaufnahme. Die Bestimmung dieses Fettes dient zur Früherkennung des Arteriosklerose-Risikos (Risiko der Arterienverkalkung) und zur Kontrolle der Therapie mit lipidsenkenden Medikamenten.

Erhöhung der Cholesterinkonzentration:

  • genetisch, familiär bedingte Fettstoffwechselstörung
  • cholesterinreiche Ernährung
  • Schwangerschaft
  • Lebererkrankungen
  • Nierenerkrankungen (nephrotisches Syndrom!)
  • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Diabetes mellitus
  • hormonelle Störungen
  • Arzneimitte: Kortison, Pille
  • Alkoholmissbrauch

Nach den derzeitigen Erkenntnissen sind Cholesterinwerte über 200 mg/dl (5,2 millimol/l) mit einem erhöhten Risiko für die Erkrankungen verbunden, die auf dem Boden einer Arteriosklerose (Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall) entstehen. Dieses Risiko steigt mit zunehmender Cholesterin-Konzentration und wird durch andere Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und/oder Übergewicht potenziert. Bei einem Cholesterinspiegel ab 260 mg/dl (6,5 millimol/l) verdoppelt sich das Risiko, einen tödlichen Herzinfarkt zu erleiden. Ab einem Wert von 300 mg/dl verdreifacht sich die statistische Infarktgefahr.

Alter kein Risiko
mg/dl (mmol/l)
mäßiges Risiko hohes Risiko
< 20 bis 170 (4,4) > 170 (4,4) > 185 (4,8)  
20-30 bis 200 (5,2) > 200 (5,2) > 220 (4,8)  
30-40  bis 220 (5,7)   > 220 (5,7) > 240 (6,2)  
> 40  bis 240 (6,2)  > 240 (6,2)  > 260 ( 6,7)  

Wichtig:  

  • Die Gesamt-Cholesterinkonzentration im Blut gibt Auskunft darüber, ob weitere Fettstoffwechsel- Untersuchungen durchgeführt werden sollten.  
  • Da Cholesterinerhöhungen im Bereich zwischen 200 und 300 mg/dl in der Bevölkerung häufig anzutreffen sind, zieht man zur weiteren Beurteilung das HDL- und LDL-Cholesterin heran.  
  • Das Arteriosklerose-Risiko gilt als erhöht, wenn die HDL unter 35 mg/dl absinkt und wenn LDL 190 mg/dl übersteigt.  
  • Es ist bewiesen, dass die Senkung des Cholesterinspiegels das Erkrankungsrisiko vermindert. Dies gelingt unter anderem mit Gewichtsreduktion, Diät (fettarme Kost), Alkoholkarenz, Sport und/oder lipidsenkenden Medikamenten.
HDL-Cholesterin

Etwa 25 Prozent des Cholesterins wird im Blut mit High Density Lipoproteinen (HDL) transportiert. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass "normale" HDL-Werte einen gewissen Schutz vor Arteriosklerose-bedingten Erkrankungen bieten. Zwei Drittel aller Infarktpatienten haben HDL-Werte unter 35 mg/dl (PROCAM-Studie). 

kein Risiko
mg/dl (mmol/l) HDL
mäßiges Risiko hohes Risiko
Frauen > 65 (1,68) 64-45 (1,68-1,15) < 45 (1,15)
Männer > 55 (1,45) 55-35 (1,45-0,90) < 35 (0,90)

LDL-Cholesterin

Etwa 70 Prozent des Gesamt-Cholesterins wird im Blut mit Hilfe von Low-Density-Lipoproteinen (LDL) transportiert. LDL-Partikel tragen nach den heutigen Erkenntnissen wesentlich zur Bildung von arteriosklerotischen Ablagerungen bei. Das LDL stellt damit einen wichtigen - wenn nicht den wichtigsten - Wert zur Erkennung von Personen mit erhöhtem Koronarrisiko dar.

Idealbereich mg/dl (mmol/l) LDL mäßiges Risiko Risikobereich
Frauen und Männer < 150 (3,9) 150-190 (3,9-4,9) > 190 (4,9)
Bei Personen mit zusätzlichen Risikofaktoren < 130 (3,4)

Lipoprotein (a)

Das Lipoprotein (a) ist ein LDL verwandtes Fettmolekül mit zwei Wirkmechanismen:

  • Es begünstigt die Entwicklung arteriosklerotischer Veränderungen der Gefäßwände.
  • Außerdem beeinflusst Lipoprotein (a) die Blutgerinnung und fördert die Neigung zur Thrombosebildung.

Lipoprotein (a) ist ein von allen anderen Fett-Parametern unabhängiger Risikofaktor für die Koronare Herzkrankheit und die Arteriosklerose der Gehirngefäße.

Normbereich: unter 300 mg/l


- Schwangerschaft
- Stress
- Darmentzündungen (Colitis ulcerosa)
- Leukämie
- Unterfunktion der Schilddrüse

Monozyten:
- Tuberkulose
- Genesung nach akuten Infektion
- Malaria Leukämie
- Krebserkrankungen

Triglyceride

Die Triglyceride sind ein Gemisch aus Hunderten unterschiedlichen Kombinationen des Fettmoleküls Glycerin. Sie dienen den Zellen als Brennstoff für die Energiegewinnung.
Ein Teil von ihnen wird vom Organismus selbst gebildet. Die höheren ungesättigten Fettsäuren müssen allerdings mit der Nahrung aufgenommen werden.

Normbereich: 35 - 180 mg/dl

Erhöhung der Triglycerid-Konzentration:

  • genetisch, familiär bedingt
  • bei 50 Prozent aller Diabetiker
  • bei vielen Organ- oder Systemerkrankungen:
    • Lebererkrankungen
    • Nierenerkrankungen
    • -Unterfunktion der Schilddrüse
    • Gicht
    • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Arzneimittel/Gifte:
    • Betablocker
    • Entwässerungsmittel" (Diuretika)
    • "Pille"
    • Alkohol

Wichtig:

  • Die Bestimmung der Triglyceride dient zur Früherkennung von genetisch bedingten Fettstoffwechselstörungen.
  • Die zufällige Feststellung einer Triglycerid-Erhöhung ist immer Anlass für die Überprüfung der anderen Fett-Parameter.

    Obwohl viele Herzinfarktpatienten erhöhte Triglyceridwerte aufweisen, ist der Stellenwert dieser Fette als Risikofaktor der Koronaren Herzkrankheit immer noch umstritten. Allerdings mehren sich in jüngster Zeit die Hinweise, dass erhöhte Triglyceridspiegel im Blut für Frauen (weniger für Männer) als unabhängiger Risikofaktor für die Koronare Herzkrankheit angesehen werden müssen. Nach einer norwegischen Studie (1993) mit 24.500 Frauen nahm die Sterblichkeit mit steigenden Triglyceridspiegeln zu. Diese Untersuchung wird jedoch nicht der Schlusspunkt der wissenschaftlichen Diskussion sein.

Calcium

Calcium ist der wichtigste Bestandteil der Knochen; dort sind 99 Prozent davon "eingelagert". Darüber hinaus ist das Mineral in der Zahngrundsubstanz und im Schmelz der Zähne enthalten. Weniger gekannt ist, dass Calcium an zahlreichen lebensnotwendigen Funktionen des Organismus beteiligt ist - wie die Bewegung der Muskeln, die Stärke des Herzschlages, die Reizleitung im Nervensystem oder die Blutgerinnung.

Ein Prozent des gesamten Calciums wird daher mit dem Blutstrom zu den verschiedenen Organen transportiert. Allerdings "schwimmen" im Blutplasma nur knapp 50 Prozent in der freien Form, etwa 45 Prozent sind an Eiweißkörper und fünf Prozent an andere Substanzen gebunden (Phosphat, Bicarbonat, Citrat). Diese feine Verteilung wird von drei Hormonen gesteuert: dem Parathormon, dem Vitamin D und dem Calcitonin.

Normbereich: Calcium (gesamt) 2,20 - 2,65 mmol/l (8,8 - 10,6 mg/dl)

Verminderung der Calcium-Konzentration:

  • Verminderte Zufuhr
    • Resorptionsstörungen (gestörte Aufnahme) in Zwölffinger- und Dünndarm
    • -Vitamin-D-Mangel
  • Vermehrter Bedarf
    • -Schwangerschaft
  • hormonelle Störungen
    • Unterfunktion der Nebenschilddrüsen
    • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Chronische Nierenfunktionsstörung
  • Eiweißmangel
    • Eiweißverlustniere (Nephrotisches Syndrom)
    • Leberzirrhose
  • muskuläre Übererregbarkeit (tetanisches Syndrom)
  • Schilddrüsenkrebs
  • akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Arzneimittel
    • manche Diuretika (blutdrucksenkend, mit entwässernder Wirkung)
    • Barbiturate (Schlaf- und Beruhigungsmittel)
    • Phenytoin (Medikament gegen Epilepsie)

Erhöhung der Calcium-Konzentration:

  • übermäßige exogene Zufuhr
    • Milch
    • Antazida ("Säurehemmer" für den Magen)
  • überschießende Freisetzung aus dem Knochen
    • Brustkrebs mit Skelettmetastasen
    • Lungen-, Nieren-, Prostatakrebs
    • Bauchspeicheldrüsenkrebs
    • Leukämie
  • hormonelle Störung
    • Überfunktion der Schilddrüse
    • Mangel an Glukokortikoiden (M. Addison)
  • Nierenfunktionsstörungen
    • nach akutem Nierenversagen
    • nach Nierentransplantation
  • Arzneimittel
    • Entwässerungsmittel (Diuretika)
    • Geschlechtshormone (Androgene, Östrogene)
    • Anabolika (hormonelle Aufbaumittel)
    • Lithium (Psychotherapeutikum)

Wichtig:
Die Bestimmung der Calciumkonzentration im Blut ist für die Diagnose und Therapieüberwachung vieler Erkrankungen hilfreich.

Bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor sollte der Calcium-Spiegel immer bestimmt werden.
Fast die Hälfte aller erhöhten Calcium-Werte sind auf eine Krebserkrankung zurückzuführen!

Ebenso ist bei Verdacht auf eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen die Calcium-Bestimmung angezeigt.

Beim Knochenschwund des älteren Menschen (Osteoporose) verändert sich die Calcium-Konzentration im Blut kaum, obwohl die Erkrankung mit einem permanenten Calcium-Verlust einhergeht!

Eisen

Veränderungen des Eisenstoffwechsels beruhen auf Mangelerscheinungen und Verteilungsstörungen. Eisenmangel gilt als weltweit häufigster ernährungsbedingter Mangelzustand. In westlichen Ländern ist er - in schwerer Form - infolge des gesteigerten Ernährungsbewusstsein eher ungewöhnlich.

Jedoch haben 50 Prozent der gebärfähigen Frauen einen versteckten (latenten) Eisenmangel (für Schwangere trifft dies zu 90 Prozent zu); einen offensichtlichen, erkennbaren (manifesten) Mangel zeigen 15 Prozent der Frauen (Schwangere ohne Eisenprophylaxe 30 Prozent). Allerdings gilt es zu beachten, dass niedrige Eisenwerte nicht zwingend gleichbedeutend mit einem Eisenmangel sind. Dafür sind spezielle Zusatzuntersuchungen durch den Arzt erforderlich.

Der Eisenspiegel im Blut unterliegt einem ausgeprägten zirkadianen, also immer wiederkehrenden Rhythmus. Minimum nachts um 4.00 Uhr und Maximum zwischen 12 und 16.00 Uhr. Mit zunehmendem Alter sinkt der Spiegel signifikant ab, bei geriatrischen Patienten liegt der obere Normbereich etwa 20 Prozent niedriger.

Normbereich:

Frauen 8 - 25 µmol/l (45 - 140 µg/dl)
Männer 9 - 28 µmol/l (50 - 156 µg/dl)

Verminderung des Eisens bei:

  • mangelnder Zufuhr:
    Der normale Eisenbedarf liegt bei einem Milligramm pro Tag, Frauen im gebärfähigem Alter benötigen die doppelte, Schwangere die vierfache Menge.
  • nach Magen-Darm-Entfernungen
  • Blutungen (gynäkologisch, versteckt im Stuhl)
  • bei Blutspendern
  • nach Blutwäsche (Dialyse)
  • chronischen Entzündungen
  • Krebserkrankungen
  • nach Myokardinfarkt

Erhöhung des Eisens bei:

  • akuter Leberentzündung (Hepatitis)
  • Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)
  • Folsäuremangel, Vitamin-B12-Mangel
  • Bleivergiftung
  • Porphyrie (Stoffwechselerkrankungen)
Kalium

98 Prozent der gesamten Kaliummenge des Menschen befindet sich in den Zellen. Daher ist die Bestimmung der Kaliumkonzentration im Blut kein ausreichender Repräsentant der Kaliumbilanz des Organismus - sie spiegelt maximal zwei Prozent des Gesamtkaliums wieder!

Normbereich: 3,6 - 5,4 millimol/l

Normale oder erhöhte Werte im Serum besagen daher noch nicht, dass auch die Zellen einen normalen bzw. vermehrten Kaliumgehalt haben. Im Verdachtsfall prüft der Arzt die Funktion kaliumempfindlicher Organe. Das Elektrokardiogramm (EKG) ist hierfür das ideale Verfahren. Denn erhöhte Kalium-Spiegel verändern die Erregungsleitung innerhalb des Herzmuskels.
Im klinischen Alltag beobachtet man jedoch viel häufiger zu geringe Kalium-Werte!

Verminderung der Kalium-Konzentration durch:

  • Erbrechen, Durchfall, nach Magen-Darm-Operationen
  • Abführ- oder Entwässerungsmittel (Diuretika)
  • Bei Insulin-Therapie stark erhöhter Glucosespiegel, denn mit der Glucose wird auch Kalium in die Zellen aufgenommen. Folglich sinkt der Kalium-Spiegel im Blut deutlich ab.
  • Arzneimittel/Gifte:
    • Diuretika
    • Kortison
    • Antibiotika (Amphotericin B, Carbenicillin)
    • gesteigerter Verzehr von Lakritz

Erhöhung der Kalium-Konzentration:

  • bei übermäßigen Kalium-Ersatz im Verlauf einer Behandlung mit Entwässerungsmitteln (Diuretika)
  • Postoperativ und nach Verbrennungen werden erhebliche Mengen Kalium in die Blutbahn eingeschleust.
  • bei schwerer Nierenfunktionsstörung
  • Arzneimittel

Wichtig:
Bei Kalium-Bestimmung ist eine der wichtigsten Kontrolle bei:

  • Niereninsuffizienz
  • kardiologischer Therapie
  • Störungen der Nebennierenrinde
  • Verdacht auf Missbrauch von Abführmitteln
Magnesium

Magnesium unterstützt alle Reaktionen, die für die Energiegewinnung innerhalb der Zellen verantwortlich sind.

Veränderungen des Magnesium-Spiegels im Blut können mit klinischen Symptomen einhergehen. Diese sind aber selten ausgeprägt oder charakteristisch. Ausgeprägter Magnesium-Mangel hingegen bewirkt eine Übererregbarkeit der Muskeln (ähnlich dem Calciummangel) und das Auftreten von Herzrhythmusstörungen.

Normbereich:

Männer 1,78 - 2,56 mg/dl (0,73 - 1,06 mmol/l)
Frauen 1,87 - 2,51 mg/dl (0,77 - 1,03 mmol/l)

Verminderung der Magnesium-Konzentration:

  • Aufnahmestörungen im Magen-Darm
    • Diätfehler
    • Alkohol
    • akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
    • Leberzirrhose
  • erhöhte Verluste
    • im Magen-Darm-Trakt
    • über die Nieren
    • bei Verbrennungen
  • hormonell bedingt
    • Schwangerschaft
    • Überfunktion der Schilddrüse
  • Arzneimittel

Erhöhung der Magnesium-Konzentration:

  • selten!
  • chronische Nierenfunktionsstörung
  • Arzneimittel
Creatinin

Creatinin entsteht bei Muskelarbeit durch Abbau der Energiespeicher Creatin und Creatininphosphat. Die Creatininmenge ist daher abhängig von der Muskelmasse und der Muskelarbeit. Creatinin wird fast vollständig über die Nieren ausgeschieden. Wenn man von exzessiver Fleischzufuhr absieht, ist der Creatininspiegel im Blut nahrungsunabhänigig und steht in Verbindung mit der Filterfunktion der Nieren.

Die Creatininspiegel steigen erst an, wenn mehr als 50 Prozent der Nierenfilter arbeitsunfähig sind. Daher dient dieser Laborwert als Maß für eine zunehmende Nierenfunktionsstörung. So wird bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion die Dosis von Arzneimitteln, die über die Nieren ausgeschieden werden, mit Hilfe der Creatinin-Bestimmung festgelegt und kontrolliert.

Normbereich: 0,7 - 1,5 mg/dl

Erhöhung von Creatinin im Blut:

  • akutes und chronisches Nierenversagen
  • im fortgeschrittenen Stadium des Diabetes mellitus
  • bei stark verminderter Nierendurchblutung
  • Verbrennungen
  • Muskelerkrankungen
  • Arzneimittel/Gifte:
    • Schmerzmittel (Analgetika)
    • Entzündungshemmer (Antiphlogistika)
    • Antibiotika
    • Entwässerungsmittel (Diuretika)
    • Krebsmedikamente (Zytostatika)

Fehlerquellen:

  • Bei hohem Blutzucker und diabetischen Koma sind die Werte zu hoch.
  • Bei verminderter Muskelmasse (Kinder; Frauen, schmächtige ältere Menschen) ist
    der Creatinin-Wert erniedrigt.
  • Bei Muskelverletzungen sind die Werte leicht erhöht.
Harnsäure

Die Harnsäure ist ein Stoffwechsel-Endprodukt, das beim Abbau von Zellkernen (Purinen) entsteht und über die Nieren ausgeschieden wird. Der Gesamtgehalt des Organismus an Harnsäure - der Harnsäurepool - beträgt etwa ein Gramm. Die tägliche Harnsäureaufnahme
in den Pool setzt sich zusammen aus dem Abbau und Umbau körpereigener Zellen
(etwa 350 mg/Tag) und der Aufnahme von Purinen aus der Nahrung (über 300 mg/Tag).

Normbereich:

Männer 3,5 - 7,1 mg/dl (210 - 420 µmol/l)
Frauen 2,5 - 5,9 mg/dl (150 - 350 µmol/l)

Erhöhung der Harnsäure:

  • genetisch bedingte Gicht:
  • betroffen sind vorwiegend Männer im mittleren Alter, Frauen im gebärfähigen Alter nie,
    in den Wechseljahren selten.
  • Gicht durch:
    • Übergewicht (!)
    • Leukämie, Tumoren, Krebstherapie
    • Nierenfunktionsstörung
    • in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft
  • Arzneimittel:
    • Entwässerungsmittel (Diuretika)

Wichtig:

  • Der häufigste Anlass zur Bestimmung der Harnsäure ist die Vermutung, dass Gelenkschmerzen
    (vorwiegend im Großzehengrundgelenk) auf eine Gichtattacke zurückzuführen sind.
  • Mit steigender Konzentration erhöht sich das Risiko, an Gicht (Ablagerung von Kristallen im Gewebe) zu erkranken. Bei einem Harnsäurespiegel zwischen 8 und 9 mg/dl erleiden 25 Prozent der Betroffenen, bei Werten über 9 mg/dl die Mehrzahl irgendwann einmal einen Gichtanfall.
  • Die Bestimmung der Harnsäure ist von großer Bedeutung bei einer Tumortherapie mit Zytostatika und/oder ionisierenden Strahlen. Werden größere Tumor- und Zellmassen eingeschmolzen, so steigt die Harnsäure-Konzentration rasch an, so dass es